Public lecture Peter Auer

On Thursdy 18 march 2010, Prof.  Peter Auer, gives a public lecture at the Institute of Multilingualism, in German (17.15 - 18.45, Room K0.02)

Competence in performance: Code-switching und andere Formen bilingualen Sprechens

Zusammenfassung (abstract)

Meine These für diesen Vortrag ist: „Kompetente Bilingualität“ (wie sie in einem kürzlichen Beitrag des deutschen Bildungspsychologen Hartmut Esser gefordert wurde) ist kein Privileg der gebildeten Schichten, die es sich sozusagen leisten können, ihre erste Sprache wie Monolinguale zu sprechen, trotzdem aber auch in einer zweiten oder dritten Sprache gut zu funktionieren. „Kompetente Bilingualität“ besteht vielmehr in der Fähigkeit, zwei Sprachen grammatisch akzeptabel und mit pragmatischem Mehrwert zu verwenden; diese Fähigkeit haben gebildete genauso wie ungebildete Bilinguale.

Ich möchte diese Behauptungen in zwei Schritten belegen. Zunächst werde ich anhand von Beispielen von zweifelsohne hoch gebildeten Sprechern zeigen, dass kognitive Mehrsprachigkeit (also die Fertigkeit, in mehr als einer Sprache zu handeln) oft zu sprachlichen Praktiken führt, in denen die beiden Sprachen nicht strikt situativ auseinander gehalten werden (= doppelte Monolingualität), sondern in ein- und derselben Situation gemeinsam aktiviert werden und auch in verschiedenen Formen an die Oberfläche des sprachlichen Verhaltens kommen (Code-switching und Code-mixing). Es gibt inzwischen eine lange Forschungstradition, die nachweist, dass solche Formen bilingualen Sprechens als Ausdruck „kompetenter Bilingualität“ verstanden werden können und müssen, weil sie spezifische metagrammatische Kompetenzen erfordern und weil sie einen spezifischen funktionalen Mehrwert haben.

Im zweiten Teil meines Vortrags werde ich argumentieren, dass sich dieselben Formen bilingualen Sprechens auch bei bilignaulen Migranten mit niedrigem Bildungsniveau finden.

Peter Auer

  • Studium der Allgemeinen Sprachwissenschaft, der Germanistik und Allgemeinen Pädagogik an der Universität zu Köln; der Theoretischen und Einzelsprachlichen Linguistik/Schwerpunkt Deutsch sowie der Psychologie an der Universität Konstanz; der Soziologie an der Universität Manchester
  • M.A. 1980, Promotion 1983, Habilitation mit der Venia legendi für Allgemeine und Deutsche Sprachwissenschaft 1988 an der Universität Konstanz
  • 1980 - 1983 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Muttersprache italienischer Gastarbeiterkinder im Kontakt mit Deutsch“ im Sonderforschungsbereich 99, Konstanz
  • 1983 - 1989 Hochschulassistent (C1) am Lehrstuhl für Allgemeine Sprachwissenschaft im Fachbereich Sprachwissenschaft der Universität Konstanz
  • 1990/91 Vertretung des Lehrstuhls für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Universität des Saarlandes
  • 4/1991 - 9/92 Heisenberg-Stipendiat
  • Okt. 92 - März 98 Professor für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg
  • Seit April 98 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
  • April 2008 Berufung zum stellvertretenden Direktor der Sektion „Language & Literature“ am Freiburg Institute for Advanced Studies

 

Forschungsschwerpunkte (research interests)

u.a. Phonologie, Dialektologie, Prosodie, Gesprochene Sprache (v. a. Syntax), Bilingualismus, Interaktionsanalyse